Der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) kritisiert das von der Gleichstellungsstelle der Stadt Erlangen an die Wirte der Bergkirchweih verschickte Schreiben, in dem zwölf namentlich genannte Lieder zum Nicht-Spielen aufgefordert werden, als völlig unverhältnismäßigen Eingriff in die Freiheit der Festkultur. Die Lieder hätten aufgrund sexistischer oder frauenfeindlicher Inhalte auf dem Volksfest keinen Platz. Unter den indizierten Titeln findet sich auch der Kulthit „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang.
„Was hier passiert, ist nichts anderes als Musikzensur durch die Hintertür“, erklärt VEBWK-Vorsitzender Franz Bergmüller. „Eine städtische Gleichstellungsstelle maßt sich an, Wirten vorzuschreiben, welche Lieder auf ihrem Volksfest gespielt werden dürfen und welche nicht. Eine solche Bevormundung der Kultur gab es nicht einmal in der DDR –selbst da wurden keine Setlisten zensiert.“
Besonders kritisch bewertet der VEBWK, dass die Wirte der Bergkirchweih faktisch zu Vollstreckern einer ideologisch motivierten Verbotspolitik gemacht werden sollen. Sie sollen künftig überwachen, ob Bands und DJs die zensierten Titel spielen, und im Zweifel einschreiten. Eine völlig sinnfreie Aufgabe, die mit dem Betrieb eines Festzelts nichts zu tun hat.
„Unsere Wirte haben wahrlich andere Sorgen, als sich als Hilfspolizisten der politischen Korrektheit einspannen zu lassen“, so Bergmüller. „Steigende Energiekosten, Personalmangel, erdrückende Bürokratie – und jetzt sollen sie auch noch die Playlist überwachen? Das ist an Absurdität kaum zu überbieten.“
Dass ausgerechnet „Skandal im Sperrbezirk“ auf dem Index landet, hält der VEBWK-Vorsitzende für bezeichnend: „Der Song ist ein satirischer Kommentar auf die Doppelmoral des Münchner Stadtrats vor den Olympischen Spielen 1972. Wer diesen Klassiker der bayerischen Musikgeschichte auf eine Verbotsliste setzt, hat weder den Text verstanden noch ein Gespür für Kultur.“
Der VEBWK betont, dass Respekt und ein gutes Miteinander auf Volksfesten selbstverständlich sein müssen. Dies erreiche man aber nicht durch obrigkeitsstaatliche Verbotslisten, sondern durch mündige Bürger und verantwortungsvolle Wirte.
„Wenn eine Behörde anfängt, Lieder zu verbieten, ist das nicht der Anfang von Gleichstellung, sondern der Anfang von Zensur“, warnt Bergmüller. „Heute sind es zwölf Lieder, morgen sind es Witze, übermorgen ganze Kabarett-Programme. Wer Kultur kontrolieren will, statt sie zu leben, zerstört genau das, was unsere Volksfeste ausmacht: Lebensfreude, Ausgelassenheit und Freiheit. Die Bergkirchweih braucht gute Stimmung und gute Wirte – keine Gesinnungspolizei.“