„Schicksale sind mehr als Inzidenzwerte“ – heute ein Bericht von Marc Klages:
 
„Mein Name ist Marc Klages. Ich bin seit 15 Jahren hauptberuflicher Clubbetreiber, Konzert- und Festivalveranstalter. Mein Betrieb ist seit März 2020, also bereits einem Jahr behördlich geschlossen und als so ziemlich einzige Branche noch immer ohne jegliche Öffnungsperspektive. Das heißt: bisher über 100 ausgefallene Club Nächte, Konzerte, Festivals… Das heißt: keine Jobs für unsere Angestellten, keine Einkünfte für mich als Einzelunternehmer und zwar aus Infektionsschutzgründen zum Wohle der Gesellschaft!
 
Ich vermisse den öffentlichen Respekt der Solidaritätsleistung unserer Branche. Jeder, der das für übertrieben hält, möge sich einmal vorstellen, ein ganzes Jahr ohne Einkommen auszukommen – noch dazu ohne zu wissen wie lange das noch so weitergeht. Unsere Dienstleistung lapidar als verzichtbare Freizeitgestaltung abzuurteilen ist schlicht falsch. Wir sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Emotion und Gemeinschaftsgefühl durch gemeinsame Musikmomente sind elementare Bedürfnisse eines großen Teils der Bevölkerung. Wir sind die Flucht aus schweren Alltagssituationen, die Hilfe bei Einsamkeit, wir sind Lebenslust, Freiheit, sowie nicht zuletzt Arbeitsplatz und Auftraggeber vieler Menschen! Endlos könnte ich mich hier noch auslassen über Dinge die mich in den letzten 12 Monaten täglich geärgert haben an den quälend langsamen politischen Bewältigungsversuchen der Pandemie Auswirkungen in unserem Lande…
 
Wir brauchen nun die Akzeptanz der Politik für sichere Konzepte statt andauernder Verbote. Diese existieren und mit etwas Verständnis für unsere menschlichen Bedürfnisse, sowie dem Sachverstand der Veranstalter-/Clubbetreiberbranche kann man dem ganzen Land zumindest einen Teil seines kulturellen Lebens zurückgeben – und damit meine ich nicht nur die Hochkultur.
Verbote von sicheren, professionellen Veranstaltungen führen zu illegalen unsicheren Zusammenkünften ohne jeglichen Infektionsschutz, Kontaktnachverfolgungsdokumentation, aber auch ohne Brandschutz, Jugendschutz, etc. Menschen wollen und werden zusammenkommen (vor allem nach diesem Winter voller Verzicht) und kein Gesetz kann das verhindern! Wohl aber könnte man all das in die richtigen Bahnen lenken, indem man uns Fachleute für die Einhaltung von Auflagen aller Art einbindet, statt auszugrenzen!
 
Klarstellen möchte ich noch, dass ich hier nicht fordere sofort aufmachen zu können. Ich leugne keineswegs die erhöhte Infektionsgefahr in geschlossenen Räumen. Aber es ist definitiv nicht zuviel verlangt, ernstgenommen zu werden bei Hygienekonzepten, Toleranz bei Verlagerung eines Teilbereiches (MIT unserer DNA: MUSIK) in Außenbereiche, Entwurf von Schnelltest Systemlösungen und der Forderung nach einer Unterstützungsleistung für fehlende Einkommen bei Minijobbern, Soloselbständigen und Einzelunternehmer – nach nun einem Jahr und wohl noch vielen weiteren Monaten. Konzepte statt Verbote!“
 
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