„Ich bin tief enttäuscht vom Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Die Politik verweist gerne darauf, dass man ja „Außer-Haus“ verkaufen könne und auch Geschäftsreisende beherbergen dürfe. Das aber geht an der Lebenswirklichkeit der Branche vorbei. Nur sehr wenige Betriebe können damit ihre Kosten decken, von einem Gewinn ganz zu schweigen. An der Ausflugsgastronomie geht es gänzlich vorbei.
 

Aber auch die ganze Zulieferkette bleibt auf der Strecke – vom Bäcker bis hin zu den Zulieferbetrieben wie Brauereien und der Lebensmittelhandel. Auch das Personal und vor allem die Auszubildenden sind betroffen.

Wie soll verhindert werden, dass gute Mitarbeiter, die mit reduziertem Gehalt (Kurzarbeit) und Teilzeitbeschäftigung sowie Jobverlust rechnen müssen, der Branche den Rücken kehren oder in weniger betroffenen Regionen zum Arbeiten abwandern?
 
In Bayern sind 447.000 Erwerbstätige in Hotellerie und Gastronomie beschäftigt, mehr als bei Siemens und BMW zusammen. Dazu kommen noch 150.000 direkt zuordenbare Arbeitsplätze in anderen Branchen allein in Bayern. Der Tourismus ist in Bayern eine Leitökonomie, die es 2019 auf 100 Millionen Übernachtungen und 34 Milliarden Euro Wertschöpfung brachte.
 
Allein im März musste das Gastgewerbe einen Umsatzeinbruch von 78 Prozent zum Vorjahr hinnehmen. Es macht sich immer mehr die Verzweiflung breit. Hotellerie und Gastronomie sehen sich als Opfer, denn ein erhöhtes Ansteckungsrisiko ist bei der Einhaltung eines umfassenden Hygienekonzeptes, wie vom Frauenhofer Institut München bestätigt, nicht erkennbar. Zudem braucht es echte Öffnungsperspektiven und nicht nur die Öffnung der Außengastronomie.
 
Uns geht allen die Luft aus. Die Politik hat kein Vertrauen in unsere sehr guten Hygiene- Konzepte, die belegen, dass es in der Branche minimale bis gar keine Ansteckungsrisiken gibt, schon gar nicht in der Freiluftgastronomie, was der letzte Sommer bewiesen hat. Nur sind die offiziellen Betriebe viel leichter zu kontrollieren wie die illegale Privatgastronomie und Partyszene, die für die immer wieder auftretenden Hotspots verantwortlich ist. Ich verstehe besonders die junge Generation, dass sie nicht mehr mitmacht. Nur büßen tut es das steuerzahlende Beschäftigungsgewerbe der Hotellerie und Gastronomie, sowie des Einzelhandels. Das hätten die verantwortlichen Politiker in Berlin und München vermeiden können.
 
Die vielen Millionen Euro hätten in das Gesundheitswesen investiert gehört als nun den Betrieben „Schadenersatz“ zu leisten, der keinesfalls als Ersatz anzusehen ist. Geld allein macht es nicht. Die Betriebe würden sehr gerne auf die staatliche Hilfe verzichten, wenn sie sich selbst helfen könnten. Aber das wird komplett ignoriert. Die Strategie der Regierung hat versagt, trotz unzähliger hoch bezahlter Berater.
Viele Chefs und deren Mitarbeiter haben das Vertrauen in die Politik verloren und das wird sich rächen.“
 
Du möchtest uns auch deine Geschichte erzählen? Dann sende sie uns zuammen mit einem Foto an mitglied@vebwk.com