Mit einem Eckpunktepapier hat die Bundesregierung den Weg in Richtung Ernährungsstrategie vorgezeichnet. Sie soll kommendes Jahr verabschiedet werden und eine gesunde Umgebung für Ernährung und Bewegung schaffen – insbesondere mit Blick auf Kinder.

Mit dem Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung vereinbart, bis 2023 eine Ernährungsstrategie zu verabschieden. Antrieb der Bundesregierung ist es, die Freude an gutem Essen zu erhalten und zu fördern – und dabei Gesundheits- und Umweltaspekte zu stärken.

Das jetzt beschlossene Eckpunktepapier benennt Prioritäten, Handlungsfelder und Ziele der zukünftigen Ernährungsstrategie sowie beispielhaft erste konkrete Maßnahmen. Bereits bestehende Strategien und Maßnahmen werden weiterentwickelt.

Damit die zukünftige Ernährungsstrategie ein Erfolg wird, wird sie auf eine breite gesellschaftliche Basis gestellt. Es wird ein umfassender Beteiligungsprozess stattfinden. Im Juni 2022 fand bereits eine Auftaktveranstaltung statt. Bis Ende 2023 will die Bundesregierung die Strategie dann verabschieden.

Welche Kernpunkte zur Ernährungsstrategie wurden jetzt beschlossen?

Die zukünftige Ernährungsstrategie ist an drei Kernpunkten ausgerichtet, die im Folgenden beispielhaft mit konkreten Maßnahmen dargestellt werden:

Erstens: Gesundheitsförderliche und nachhaltige Ernährungsumgebung schaffen

Damit Verbraucherinnen und Verbraucher eine nachhaltigere Ernährung realisieren können, will die Bundesregierung die Bedingungen – von der Darbietung über den Konsum bis zur Entsorgung – so gestalten, dass eine gesunde, stärker pflanzenbetonte und nachhaltige Ernährung im Alltag ermöglicht wird. 

Die außerhäusliche Verpflegung – sei es in Kantinen von Schulen, Fabriken Senioren- und Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern – soll hier als Vorbild wirken. Ziel müsse es sein, „dass gesundes Essen auf dem Stand dessen, was die Wissenschaft uns sagt“, angeboten werden könne, so Özdemir. Er orientiere sich dabei an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Diese wolle er bis 2030 zu allgemeinverbindlichen Standards machen.

Allen Kindern und Jugendlichen sollen – unabhängig vom Einkommen der Eltern – in Kita und Schule ebenso wie bei Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe qualitativ hochwertige und ausgewogene Mahlzeiten angeboten werden. Jedem Kind soll der Zugang zu einer Kita- und Schulverpflegung zur Verfügung stehen. Zudem soll die Qualität des Kita- und Schulessens gesteigert werden.

Ebenso sollen den Bewohnerinnen und Bewohnern stationärer Einrichtungen qualitativ hochwertige Mahlzeiten angeboten werden. Der Anteil an ökologisch, regional und saisonal erzeugten Lebensmitteln sollen erhöht und pflanzliche Alternativen gestärkt werden.

Weniger Zucker, Fette und Salz: Die Zusammensetzung von Fertigprodukten soll ernährungsphysiologisch günstiger werden. Dazu wird die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten weiterentwickelt. Zudem sind Einschränkungen der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung vorgesehen.

Zweitens: Ressourcen- und klimaschonende Ansätze fördern

Die Bundesregierung will pflanzliche, regionale beziehungsweise saisonal-regionale (bei Obst und Gemüse) sowie ökologisch erzeugte Lebensmittel fördern.

Ein Weg dahin ist die Ausdehnung des ökologischen Landbaus in Deutschland bis 2030 auf 30 Prozent. Außerdem werden regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen gefördert.

Zudem soll die Lebensmittelverschwendung reduziert werden, indem über die gesamte Lebensmittelversorgungskette die Abfälle halbiert werden. Dazu will die Bundesregierung notwendige Maßnahmen, inklusive regulativer Änderungen, auf den Weg bringen. Angemessene Portionsgrößen werden in den Blick genommen. Auch haftungsrechtliche Fragen und steuerrechtliche Erleichterungen für Spenden werden geprüft.

Drittens: Ernährungskompetenz – gesunde und nachhaltige Ernährungsmuster fördern

Alle Menschen in Deutschland sollen das Wissen und die Fähigkeit bekommen, sich gut zu ernähren. Die Bundesregierung will deshalb besonders schwer erreichbare und vulnerable Verbrauchergruppen effektiver unterstützen. Dazu können neben Kindern und Jugendlichen in bestimmten Fällen auch Menschen mit Migrationshintergrund, in armutsgefährdeten Haushalten und ältere Menschen gehören.

Es sollen Maßnahmen etabliert werden, die in spezifischen Lebenssituationen helfen, Ernährungskompetenzen zu erwerben und im Alltag anzuwenden. Dazu müssen bereits bestehende zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen gestärkt werden. Zugleich wird eine engere Zusammenarbeit unter anderem mit Sozial- und Migrantenverbänden angestrebt.

Es sollen evidenzbasierte Ernährungsempfehlungen entwickelt werden, bei denen Kinder und Jugendliche, stillende Mütter, Schwangere und Menschen mit veganer/vegetarischer Ernährungsweise im Fokus stehen.

Zur Stärkung der Ernährungsbildung in Kitas und der Kindertagespflege sowie an Schulen wird das BMEL im Austausch mit der Kultusministerkonferenz, der Jugend- und Familienministerkonferenz und den Ernährungsreferentinnen und -referenten der Länder Möglichkeiten zur Verbesserung der Ernährungsbildung besprechen und die bewährte Netzwerkarbeit fortführen.

Finden Sie hier das Eckpunktepapier „Weg zur Ernährungsstrategie der Bundesregierung“

VEBWK Bewertung

Die konkret vorgesehenen Maßnahmen gehen aus unserer Sicht zu weit, insbesondere hinsichtlich Verpflichtungen, die den Betrieben der Gemeinschaftsverpflegung auferlegt werden sollen. Eine verpflichtender Bioquote von 30% macht nur dann Sinn, wenn der Gast auch bereit ist, dafür mehr zu bezahlen. Wenn man möchte, dass das Essen qualitativ hochwertig ist, dann kostet das Geld, dann dürfen die Caterer mit den hohen Energiekosten und den Lebensmittelpreisen nicht allein gelassen werden. Eine Erhöhung des Bioanteils auf 30 % würden die Kosten allein bei Fleisch nahezu verdoppeln.