Wie bereits von uns mehrfach berichtet, grassiert seit Wochen eine wahre Abmahnwelle wegen der Einbindung von Google Fonts. Jetzt ermittelt die Justiz wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Erpressung gegen einen Berliner Abmahnanwalt.

In dem Verfahren gegen zwei Beschuldigte – einen Rechtsanwalt (53) mit Kanzleisitz in Berlin und dessen Mandanten (41), dem angeblichen Repräsentanten einer „IG Datenschutz“ – wurden am Mittwoch durch die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin mehrere Räumlichkeiten durchsucht. Laut einem Bericht des Tagesspiegel soll es sich bei dem Beschuldigten, um den Berliner Anwalt Kilian Lenard handeln.

Der Vorwurf: Die beiden sollen bundesweit Privatpersonen und Kleingewerbetreibende, die auf Ihren Homepages sogenannte „Google Fonts“ – ein interaktives Verzeichnis mit über 1400 Schriftarten, die das Schriftbild einer Webseite bestimmen – eingesetzt haben, per Anwaltsschreiben abgemahnt haben.

Dann sollen sie angeboten haben, ein Zivilverfahren gegen Zahlung einer Vergleichssumme von je 170 Euro vermeiden zu können.

 
Mit einer eigens programmierten Software sollen die beiden Beschuldigten Websiten gesucht haben, die Google Fonts nutzen und dann mit einer weiteren Software Besuche dieser Internetseiten automatisiert und damit fingiert haben.
 
Mit zwei Arrestbeschlüssen wurde die ergaunerten 346.000 Euro nun sichergestellt.
 
Verbraucherschützer, Anwälte und Wirtschaftsverbände gehen inzwischen auch gegen die Abmahnwelle vor. Der Rat aller Experten: Auf keinen Fall die geforderten 170 Euro zahlen.