Robert Toni Gross, „da Oichinga Fischbroda“, ist Gastronom, Schausteller und Marktkaufmann. Für unsere Aktion „Schicksale sind mehr als Inzidenzwerte“ berichtet er von seinem beruflichen Kampf während der Coronakrise:

„Vor über 70 Jahren war mein Vater Toni Gross Gründungsmitglied des Olchinger Volksfestes.
Bekannt durch seine Fischbraterei konnte er sich einen sehr guten Namen auch außerhalb von Fürstenfeldbruck machen. Egal auf welchen Festen, Märkten oder Veranstaltungen, ich war stets die rechte Hand an seiner Seite.

Nach seinem Lebensende habe ich meine eigenes Unternehmen gegründet um den Namen und die Familientradition meines Vaters weiter zu führen.
Vor Corona hatte ich viele Volksfeste, Märkte und Veranstaltungen, auch in großen Biergärten war ich vertreten. Es lief alles rund und der Bekanntheitsgrad stieg über die Bundeslandgrenze hinaus.

Genau zu diesem Zeitpunkt, an dem es nach den ganzen Ausgaben für Neuanschaffung und Modernisierung endlich an das Ansparen für die Altersversorgung und für die weitere Expansion ging, erwischte mich der Lockdown.

Um wenigstens die monatlichen Fixkosten begleichen zu können, öffnete ich einen im Herbst/Winter von meinem Privatgeld finanzierten Imbiss und Frühjahr/Sommer meinen Steckerlfischstand. Ein Gehalt konnte ich weder meiner helfenden Lebensgefährtin noch mir selbst auszahlen. Um wenigstens privat einigermaßen über die Runden zu kommen, geht sie neben dem momentanen Imbiss- und baldigen saisonalen Steckerlfisch-Verkauf noch nebenbei arbeiten, wofür ich ihr wirklich sehr dankbar bin.

Die privaten finanzielle Mittel sind fast aufgebraucht.
Vom Staat habe ich seit dem 1. Lockdown nur die Soforthilfe erhalten, die aber bei der bis jetzt anhaltenden Situation „ein Tropfen auf den heißen Stein“ war. Auf weitere Gelder habe ich keinen Anspruch, da ich „blöderweise“ durch den jetzigen Imbiss-Verkauf ein wenig Umsatz habe, aber in den vergangenen Wintern überhaupt keine Einnahmen.

Wenn der Lockdown weiter anhält und Veranstaltungen, auf denen wir normalerweise vertreten sind, ausfallen, werde ich einen Kredit aufnehmen müssen, sofern ich in meiner jetzigen Situation überhaupt einen bekomme. Momentan ertappte ich mich immer wieder bei dem Gedanken, ob ich mein Unternehmen aufgebe, aber ein über 70-jähriges Familienunternehmen gibt man nicht so schnell auf, das bringen wir nicht übers Herz.

Meine Lebensgefährtin und ich werden weiter kämpfen und hoffentlich erfolgreich aus diesem Kampf hervortreten. “

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