Was ist, wenn die Pauschalreise wegen der Corona-Krise abgesagt wurde, die Reise aber schon bezahlt wurde?

Grundsätzlich erhält der Urlauber innerhalb von 14 Tagen sein Geld zurück. So zumindest die Theorie. Da viele Reiseveranstalter derzeit große existenzielle Schwierigkeiten haben, haben immer mehr Reiseanbieter ohne gesetzliche Grundlage Rückzahlungen verweigert und nur Gutscheine ausgegeben. Deshalb fordert der Deutsche Reiseverband „Gutschein statt Geld“. Dafür macht sich mittlerweile auch die Bundesregierung stark. Da die Rückzahlungspflicht allerdings auf EU-Recht beruht, muss auf europäischer Ebene entschieden werden.

Noch gilt deshalb die Pflicht zur Rückzahlung. Man muss also nicht abwarten, sondern kann vom Reiseveranstalter oder der Fluggesellschaft sein Geld zurückverlangen.

Für annullierte Flüge gilt übrigens das Gleiche, nur, dass hier sogar innerhalb von 7 Tagen das Geld erstattet werden muss. Auch wenn für ausgefallene Flüge häufig Gutscheine angeboten werden, so kann auf einer Rückzahlung bestanden werden.

Die Bundesregierung hat den folgenden Beschluss für eine Gutscheinlösung bei Pauschalreisen, Flugtickets und Freizeitveranstaltungen gefasst und sich damit an die Europäische Kommission gewendet, die folgende Regelung fassen soll:

Die Regelung soll die Möglichkeit der Reiseveranstaltenden vorsehen, den Buchenden bei Pandemiebedingten Absagen von vor dem 08.03.2020 gebuchten Reisen anstelle der binnen 14 Tagen fälligen Erstattung einen Gutschein zu geben, der folgende Bedingungen erfüllen soll.

1. Pauschalreisen

  • Insolvenzabsicherung, ggf. staatliche Rückversicherung
  • Härtefallklausel für Fälle, in denen für den Buchenden der Gutschein unzumutbar ist
  • Gültigkeit des Gutscheins: 31.12.2021 – ist der Gutschein bis zu diesem Zeitpunkt nicht eingelöst, ist der Wert zu erstatten

2. Flugtickets

Die Fluggesellschaften sollen die Möglichkeit haben Buchenden bei Pandemiebedingten Absagen von vor dem 08.03.2020 gebuchten Flügen anstelle der binnen 7 Tagen fälligen Erstattung einen Gutschein zu geben, der folgende Bedingungen erfüllen soll:

  • Härtefallregelung
  • Gültigkeit bis 31.12.2021 – ist der Gutschein bis zu diesem Zeitpunkt nicht eingelöst, ist der Wert zu erstatten.

Ein wichtiger Punkt bei den Pauschalreisen, ist die geplante Insolvenzabsicherung, da mit vielen Firmenpleiten gerechnet werden muss. Damit sind Pauschalreisende deutlich besser abgesichert als Flugreisende, für die es keine Insolvenzabsicherung gibt. Wenn also eine Fluggesellschaft Pleite geht, ist das Geld für bereits gebuchte Flüge weg. Der Gutschein ist dann auch nichts mehr wert.

Wann die EU-Kommission über diesen Vorschlag abstimmt, steht derzeit noch nicht fest.

Welches Risiko gehen Reisende ein, die einen Gutschein akzeptieren?

Entscheidet sich der Reisende bereits zum jetzigen Zeitpunkt (also bevor die EU eine Regelung mit Insolvenzabsicherung beschließt) für einen Gutschein von der Reiseveranstalter oder Hotelier, dann ist der Gutschein nichts mehr wert, wenn der Reiseveranstalter oder der Hotelier später Pleite geht.

Auch die Befristung der Gutscheine bis 31.12.2021 sollte bedacht werden. Auf den ersten Blick, scheint es bis dahin noch lange Zeit zu sein, aber niemand kann in der jetzigen Situation vorhersehen, wann wieder gereist werden darf.

Was gilt für Individualreisen in Deutschland?

Haben Sie z. B. eine Ferienwohnung oder ein Hotel direkt gebucht gilt folgendes:

Da innerhalb Deutschlands ein Reiseverbot gilt, dürfen Hoteliers und Vermittler von Ferienwohnungen keine Unterkünfte mehr zu touristischen Zwecken anbieten und deshalb auch keine Stornokosten verlangen.

Was gilt für Individualreisen ins Ausland?

Hier kommt es immer auf die Rechtslage im jeweiligen Land an. Gleiches gilt, wenn Sie ein Ferienhaus gebucht haben. Auch hier kommt es auf das Mietrecht des Urlaubslandes und die Vertragsbedingungen an.

In zahlreichen EU-Mitgliedstaaten legen die Hotelbetreiber selbst fest, ob die Hotelunterkunft kostenlos storniert werden dürfen, ob Stornogebühren fällig werden oder ob der komplette Betrag bezahlt werden muss. 

Entscheidend sind daher die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Vermieter/Hoteliers. Urlauber sollten sich daher direkt an ihren Vermieter / Hotelier wenden.

Wenn der Hotelbetreiber Ihnen Geld erstatten müsste und sich weigert, können Sie entweder einen Mahnbescheid beantragen (siehe European Small Claims Procedure) oder den Klageweg beschreiten.

Kostenlose Stornierung in Spanien möglich

Schauen Sie in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen Ihrer Hotelunterkunft. In Spanien ist es laut Gesetz möglich, das Hotel aufgrund höherer Gewalt kostenfrei zu stornieren. Dies beruht auf den speziellen Regelungen in der jeweiligen Autonomen Gemeinschaft. Im Zweifelsfallen können Sie sich aber auch auf Art. 1105 des spanischen Código Civil (entspricht dem deutschen BGB) berufen.

Stornierungsmöglichkeiten in Italien und Österreich

In Österreich und Italien können Sie sich auf den Wegfall der Grundlage des Vertrags berufen. Ist das im Zielland anders, bitten Sie um einen Gutschein für einen späteren Zeitpunkt. Darauf lassen sich Hotelbetreiber eher ein als auf eine kostenfreie Stornierung.

Muss ich noch offene Reiserechnungen bezahlen?

Grundsätzlich gilt, dass Sie einen Vertrag geschlossen haben und diesen auch erfüllen müssen. Infolgedessen müssen Sie die Rechnung auch bezahlen.

Anders ist es, wenn Sie das Recht zur kostenfreien Stornierung haben. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie Ihren Vertragspartner darüber informiert haben, dass Sie von Ihrem Recht auf kostenfreie Stornierung Gebrauch machen.

Wann greift meine Reiserücktrittsversicherung?

Ob der Versicherungsschutz Ihrer Reiserücktrittsversicherung greift, hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab.

Epidemien, Pandemien und Terror sind meist von der Versicherung ausgeschlossen. Schauen Sie daher in die Vertragsunterlagen Ihrer Versicherung

Ausführliche Informationen zum Thema Reisen und Coronavirus in Europa finden Sie hier:
https://www.evz.de/reisen-verkehr/reiserecht/coronavirus.html