Ein Markenrechtsstreit hat kürzlich das Landgericht Nürnberg/Fürth beschäftigt. Die Sektkellerei Oppmann, ein Partner des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur e. V, wurde vom französischen Champagner-Verband verklagt, weil einer der Jahrgangssekte der Kellerei, „Schampus Bavaria“ heißt.

Auf dem Etikett zu sehen ist die Statue der Bavaria und die Ruhmeshalle auf der Theresienwiese in München. Darüber hinaus ist auf dem vorderen Etikett das Siegel „geprüfte Qualität Bayern“ aufgedruckt.

Schampus sei eine widerrechtliche Anspielung auf die geschützte Ursprungsbezeichnung „Champagner“, so die Franzosen. Der Vorstand der Würzburger Sektkellerei konterte dagegen mit dem Duden, wonach Schampus als ein umgangssprachlicher Ausdruck für Perlwein aller Art beschrieben wird: Champagner, Schaumwein, Sekt.

Das Landgericht hat der Klage des französischen Verbands stattgegeben. Dabei war für das Gericht unerheblich, dass aufgrund der Bezeichnung „Schampus Bavaria“ die Herkunft aus Bayern ersichtlich ist. Hauptentscheidend war für das Gericht, dass die Bezeichnung Schampus in Anlehnung an die deutsche Lautung des Begriffs „Champagner“ gebildet sei. Der verständige Durchschnittsverbraucher sei veranlasst, einen unmittelbar gedanklichen Bezug zu der Ware, die die geschützte geographische Angabe trägt, herzustellen.

Auch die Nürnberger Lebkuchen und der Schwarzwälder Schinken, der zu 90 % aus verarbeiteten Keulen aus Norddeutschland stammt, sind geschützt.

Ja geht’s eigentlich noch! Werden wir nur noch für dumm verkauft bzw. wird uns Dummheit unterstellt? Logisch, dass ein Sekt, einer bayerischen Sektkellerei (übrigens die älteste in Bayern und ehemals königlich bayerischer Hoflieferant) kein Champagner ist. Zumal noch geprüfte Qualität Bayern draufsteht.

Ähnlich war es vor einiger Zeit beim Obazda: Die Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft hat den Obazda bei der EU-Kommission als „geografisch geschütztes Produkt“ eintragen lassen. Folge davon ist, dass ein Obazda nur noch dann als Obazda verkauft werden darf, wenn er bestimmte Zutaten enthält. Um diese Spezialität „Obazda“ oder „Obatzter“ nennen zu können, muss die gesamte Verarbeitung der Zutaten in Bayern erfolgt sein. Viele Wirte verwenden nun Convenience-Produkte, benennen ihren Obazda kreativ um in „Ogmachter Kas“, „Bräubazi“ etc. oder streichen ihn ganz von ihrer Karte.
Denn wolle Sie diese bayerische Spezialität anbieten, müssen Sie sich jährlich einer Kontrolle unterziehen, für die sie 300 € berappen sollen.

Fazit: Während es im Fall des Obazda um Geld geht, geht es im Fall des Champagnerstreits ums Image – Champagner als exklusives Geschmackserlebnis. Doch was ein echter Sektkenner ist, der weiß, dass auch unsere heimischen Sektkellereien und Winzer hervorragende Produkte haben, die sich hinter dem französischen Pendant nicht verstecken müssen. Regionalität schmeckt gut, macht stolz auf die Heimat und stärkt die Wirtschaft vor Ort!

Die Sektkellerei J. Oppmann geht übrigens in die nächste Instanz! Wir wünschen viel Erfolg!