„Weil der Inzidenzwert in München zum fünften Mal in Folge unter 50 liegt (am Samstag bei 30,4), dürfen Sie ab heute ohne Test (!) ins Theater, in Konzert- und Opernhäuser oder in Kinos gehen. Das ist gut.
Sie dürfen aber nicht, auch nicht mit einem Test, in Jazzbars oder Jazzclubs gehen. Auch wenn diese keine Gastronomie anbieten. Sondern „nur“ Konzerte. Das ist schlecht.

„Das ist schlecht?!“

Nein, das beschreibt es nicht. Das ist absurd. Das ist lächerlich. Das entbehrt jeglicher Logik, das ist diskriminierend, das ist ein bürokratischer Irrsinn. Zumal die Jazzbar Vogler mit einer Frischluft-Anlage, vier Luftbefeuchtern, zwei Luftreinigern und vier zusätzlichen Ventilatoren ausgestattet ist.

Ich weiß nicht, wer sich so etwas ausdenkt. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, warum der Besuch eines Jazzkonzertes gefährlicher sein soll, als der Besuch eines klassischen Konzertes. Ich verstehe nicht, warum zwei Menschen, die in einem Raum sich mit einem Abstand von 1 Meter 50 zu ihren Nachbarn einen Film anschauen, anders behandelt werden, als zwei Menschen, die mit einem Abstand von 1,50 Metern einer Jazzband lauschen wollen.

Alle freien Kulturschaffenden leben seit sieben Monaten, seit 212 Tagen, mit einem faktischen Berufsverbot. Die einzige Berufsgruppe, der die „Stadt München“ nach sieben Monaten ohne Not weiterhin verbietet, ihren Beruf auszuüben sind: die freien Kulturschaffenden.

Diejenigen, die durch jedes Netz fallen. Diejenigen, die aber gleichzeitig das kulturelle Fundament dieser Stadt bilden. Weil wir mit hohem persönlichen, privaten Risiko trotz aller Risiken Kultur in all ihren Facetten möglich machen.
Und wir, wir dürfen nicht Teil der Lockerungen sein?! Uns droht die „Stadt München“ mit „Ordnungswidrigkeitsverfahren“, droht mit Polizeikontrollen?!

Es ist ein Armutszeugnis. Es ist eine Schande. Für eine „Weltstadt mit Herz“. Für eine: „Europäische Kulturstadt“.

So. Das musste jetzt mal raus. Nach vierzehnmonatigem, geduldigen Mittragen aller Maßnahmen muss sogar ich einmal Dampf ablassen. Spüren Sie es?! FFFFFFFFFFF. .. Warten Sie: Noch einmal: FFFFFFFFFFFF …
Tut. Das. Gut.

Vielleicht haben Sie ja Lust, uns aussätzigen Jazzern unter die Arme zu greifen. Wenn ja: Schreiben Sie doch bitte an Oberbürgermeister Dieter Reiter ein paar Zeilen. An ob@muenchen.de Danke.“

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