„Ich, Schell Christian, betreibe seit Dezember 2011 die Agentur Premium Service People zur Vermittlung von Servicekräften für Caterer im Raum München. Wir sind vor allem für den Caterer des Fußballstadions in München sowie für weitere kleinere Caterer tätig. Für die weiteren Caterer sind wir für verschiedene Veranstaltungen tätig. Diese reichen von z.B. von 900 Personen bei der TUM bis zu 30 Personen bei kleinen familiären Hochzeiten.
 
Hilfen für die Agentur:
Am 08.03.2020 war unser letzter Einsatz für ein Spiel in der Allianz Arena. Seitdem haben wir Berufs- bzw. Tätigkeitsverbot.
 
Als die Soforthilfen bereitgestellt wurden, reichte ich sofort einen Antrag ein, der die Fixkosten für drei Monate deckte. Ende Mai wollte ich für weitere Monate Soforthilfe beantragen. Dann aber erfuhr ich, dass diese schon wieder eingestellt wurden, obwohl kommuniziert wurde, diese könnte man öfters beantragen, bis die Obergrenze erreicht ist. November-, Dezemberhilfen bekam ich auch nicht. Hier war die Begründung: Ich hatte ja vorher, schon die ganze Zeit über geschlossen, im Gegensatz zu Gast-, Wirtshäusern und z. B. Biergärten, die geschlossen waren und dann aufmachen durften, und dann wieder schließen mussten. Diese hatten dann Anspruch auf diese beiden Hilfen. Nur wer schon vorher und durchgehend nicht arbeiten konnte und durfte, der bekam auch dies nicht. Was mich schon irritiert und staunen lässt: das McDonald und Burger King, auf diese November-/Dezemberhilfe auch Anspruch hatten.
 
Seitdem beantrage ich Überbrückungshilfen und bin in zwischen bei der Überbrückungshilfe III angelangt. Gewährt wurden mir bisher diese Hilfen. Da ich diese nur über einen Steuerberater beantragen kann, musste ich mir erstmal jemanden suchen, der dies auch übernimmt. Ich reichte noch nie bei einer Stelle so viele Unterlagen ein, wie hier. Und mit jedem Antrag erhalte ich Rechnungen des Steuerberaters über ca. 500 Euro. Mit den Hilfen decke ich die Rechnungen, mehr bleibt kaum. Unter anderem dadurch, dass ein finanzierter Geschäftswagen nur mit ca. 9 Euro pro Monat bewilligt werden kann, anstatt ein geleaster Geschäftswagen, der mit voller Höhe der Rate berücksichtigt wird.
 
Auch wurde mir eine Neustarthilfe abgelehnt, mit der Begründung, ich beschäftige ja noch Mitarbeiter. Daher ist dies leider nicht möglich.
 
Kurzarbeitergeld:
Ich beschäftige vor allem Mitarbeiter auf 450 Euro Basis. Nur eine Mitarbeiterin ist als Werkstudentin eingestellt, um möglichst viel Stunden arbeiten zu können, da diese kein Bafög erhält und auch sonst keine Unterstützungen bekommt. Nur allein für diese Werkstudenten bekomme ich inzwischen Kurzarbeitergeld, auch wenn ich dies immer wieder alle drei Monate verlängern lassen muss. Aber hier fließt zumindest etwas Geld. Die Personalkosten fallen leider nicht unter die Fixkosten für Überbrückungshilfen. Mit den weiteren Mitarbeitern führte ich jeweils Einzelgespräche wie es weitergehen kann. Vereinzelten musste ich kündigen, andere kündigten selbst, da sie sich anderweitig orientierten und weitere vier Mitarbeiter, die aufgrund der Sozialauswahl weiterhin auf Einkommen angewiesen sind, beschäftige ich auf der Grundlage ihrer Mindesteinsatzstunden weiter. Zum einen um diese weiterhin zu unterstützen. Zum anderen aber auch, um auf Mitarbeiter zurückgreifen zu können, sollte es plötzlich möglich sein auf einer Veranstaltung arbeiten zu können. Da mir der Rechtsanwalt bei einem Telefonat mitteilte, dass ich nicht wieder Mitarbeiter einstellen kann, die ich vorher ausstellen musste. Sollte ich daher irgendwann mal wieder Aufträge bekommen, muss ich mir neue Mitarbeiter suchen.
Hilfe für mich, als geschäftsführenden Gesellschafter:
 
Als Inhaber dieser Agentur falle ich durch jedes Raster. Mein Gehalt wird weder bei den Überbrückungshilfen, noch beim Kurzarbeitergeld berücksichtig. Bei einem guten informativen Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Staatsministeriums wies mich diese daraufhin, dass ich ja Arbeitslosengeld bzw. Hartz IV beantragen könnte. Damals lehnte ich dies strikt ab, soweit käme es noch, so meine Argumentation noch im März 2020.
Nach längeren Überlegungen und finanzieller Not, da mein Konto nur noch Zahlungen bis Juni 2020 ermöglichte, beantragte ich doch Arbeitslosengeld und kündigte mir selbst die Geschäftsführertätigkeit zum 30.06.2020. Dies wurde dann abgelehnt, da ich seit Bestehen der Agentur 2011 kein Arbeitslosengeld mehr gezahlt habe. So beantragte ich Arbeitslosengeld II bei der Arbeitsagentur in Weiden. An dem Ort an dem ich auch gemeldet bin. Dies wurde abgelehnt, mit der Begründung, mein Aufenthalt wäre ja durch die Arbeit vorwiegend in München. Gut, beantragte ich Arbeitslosengeld II beim Arbeitsamt in München. Auch hier wurde der Antrag abgelehnt, mit der Begründung, mein Wohnsitz wäre ja in Weiden. Wieder mit Weiden telefoniert, musste ich den Antrag neu stellen und glaubhaft versichern, dass ich mich nun ausschließlich in Weiden aufhalte. Dies hat sich so lange gezogen, dass ich erstmalig Arbeitslosengeld II für November 2020 mit Grundeinkommen von 446,00 bezog. Seitdem sitze ich in Weiden im Wohnhaus meiner Mutter und versuche, mich wenigstens hier einzubringen.
Der Versuch, nebenbei etwas zu arbeiten ist gescheitert. Laut Mitarbeiterin der Arbeitsagentur muss ich entweder die Serviceagentur aufgeben, dann kann ich wieder als Angestellter bewerben und arbeiten, oder ich führe die Agentur erstmal weiter, muss dann aber die Zeit bis zu einem möglichen Neubeginn „aussitzen“.
 
Nun sitze ich hier und warte, sehe mir jeden Tag in den Nachrichten die neuesten Zahlen und Entwicklungen der Pandemie an. Versuche, von einem Monat zu anderen zu kommen. Ohne Unterstützungen von Freunden und meiner Mutter wäre es mir nicht gelungen, über diese bislang 14 Monate zu kommen. Meine Mutter, selbst Bezieherin einer nur kleinen Rente, steckt mir immer wieder Geld zu, kocht und kauft ein, somit habe ich aktuell keine Lebenshaltungskosten. Und ein Kunde, eine Kantine, bei der ich vor der Pandemie immer wieder aushalf, bot mir an, ich könnte jederzeit zum Essen vorbeikommen, wenn ich in München bin und Hunger hätte.
So, das war nun meine Geschichte. Ich weiß – vielen geht es schlechter als mir und ich hoffe und wünsche allen, dass sie es schaffen.“
 
Übrigens sind wir immer auf der Suche nach Mitarbeitern.
Christian Schell
 
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