Ich heiße Sabine Koller, mein Mann und ich betreiben die Reiterpension Kollerhof in Neunburg v. W., einen Betrieb mit ca. 100 Betten, einem Landgasthof sowie einem Reit- und Pensionspferdebetrieb mit insgesamt 120 Pferden.

Unser Familienbetrieb hat eigentlich drei Standbeine: die Gastronomie, die Ferienwohnungen und den Reitbetrieb. Im Frühjahr 2020 wurde plötzlich alles lahmgelegt, kein Gasthaus, keine Feriengäste und nicht einmal die Erteilung von Reitunterricht war erlaubt. Als wir damals aufgrund der staatlich angeordneten Schließung Kurzarbeit beantragen mussten, wäre mir nicht im Traum eingefallen dass wir ein Jahr später wieder komplett geschlossen sind.

Wir hatten im letzten Jahr als wir ab Pfingsten wieder öffnen durften unsere Hauptzeiten ausgebucht, auch die Nebensaison war gut besucht. Unsere Gäste kommen hauptsächlich aus ganz Deutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland wie z. B. Österreich, Schweiz und den Niederlanden. Auch haben wir an den Wochenenden zusätzlich viele Tagesausflügler.

Wir hatten von Juni bis November nicht einen Corona-Fall bei uns auf dem Hof, unsere Hygienekonzepte haben funktioniert. Zudem halten sich unsere Gäste viel an der frischen Luft auf, da ein Großteil speziell zum Reiten hierher kommt.

Wir haben bereits im letzten Jahr schon viel in Desinfektionsmittel, Masken, Trennwände etc. investiert, durften sowohl unseren Innen- als auch den Außenbereich nicht normal nutzen, da der Mindestabstand einzuhalten war.

Unser Personal befindet sich seit letztem Jahr in Kurzarbeit, die Service- und Küchenkräfte seit November fast in Kurzarbeit NULL. Sie müssen seit Monaten mit einem deutlich geringeren Einkommen leben bei gleichbleibenden Fixkosten.

Auch die Angestellten im Reitstall hat es erwischt, zwar nicht ganz so extrem, da die Pferde trotzdem gefüttert, gemistet und bewegt werden müssen. Allerdings besteht in einem normalen Jahr der Großteil der Arbeit in der Unterrichtserteilung. Unterricht ganz normal in der Reithalle darf jedoch seit Monaten schon nicht mehr stattfinden und es ist nicht jeder Reiter so weit dass er nach einem halben Jahr Pause ein Pferd auf dem Außenplatz beherrscht.

Nach einem Jahr hält die gleiche Katastrophe immer noch an. Ein ToGo-Geschäft lohnt sich für unser Gasthaus nicht, da wir ca. 4km außerhalb Neunburgs liegen. Der Aufwand wäre viel größer als der Nutzen.

Mittlerweile kann ich mich dem Gefühl nicht verwehren, daß manche Branchen von der Politik gezielt an die Wand gefahren werden. Eine Ferienwohnung ist nicht einmal mit einem Hotel gleichzusetzen. Die Gäste sind separat untergebracht und können sich wie zuhause auch komplett selbst versorgen. Warum das untersagt ist kann mir niemand plausibel erklären, aber in einem vollen Flieger nach Mallorca reisen ist erlaubt.

Auch eine Reithalle ist gut durchlüftet, eine Reithalle ist ja keine Turnhalle. Die Halle darf zwar zur notwendigen Bewegung der Pferde aus tierschutzrechtlichen Gründen von den Einstellern genutzt werden, aber es ist verboten denselben Reitern die die Halle sowieso nutzen dabei Unterricht zu erteilen. Für mich und viele andere völlig unverständlich.

Ein Shetty zum Spazieren gehen ausleihen oder mit einem Familienmitglied auf einem geliehenen Pferd ins Gelände reiten ist ebenso wenig erlaubt, denn gewerblicher Verleih ist untersagt. Was das mit Infektionsschutz zu tun hat erschließt sich mir überhaupt nicht. Das ist genauso wenig mit einem höheren Infektionsrisiko verbunden wie es gefährlicher sein kann in ein Einzelhandelsgeschäft zum Einkaufen zu gehen als in einen Supermarkt.

Unsere Politik findet keinen vernünftigen Weg aus der Pandemie… da bleibt nur zu hoffen, dass der Wahnsinn bald ein Ende hat und schnell wieder Normalität einkehrt.

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