Die seltsame on3-südwild-Sendung vom 5. Juli 2011 aus Burghausen

Dienstag, 5. Juli 2011. Nach langen Telefonaten mit der Redaktion der BR-Sendung on3-südwild, eher ein Jugendprogramm, ist es nun soweit: live und mit viel Bimbamborium wird direkt aus Burghausen aus dem BR-Bus gesendet. Sebastian Winkler, 28 Jahre jung und eloquent genug, um ein jugendliches Publikum zu begeistern, bereitet sich vor. Die Aufnahmeleitung gerät in normale Nervosität. Die Redakteurin begrüßt die Gäste, bietet brav Wasser an und betont die Lässigkeit, mit der hier zu Werke gegangen wird. Nichts deutet auf eine Inszenierung hin, denn Live-Sendungen leben ja vom Moment und der Spontanität. Das Thema hat es aber in sich. Heute will man über „Ein Jahr nach dem bayerischen Volksentscheid mit folgendem Rauchverbot“ diskutieren. Einen Stargast hat man auch: Sebastian Frankenberger, Initiator des Volksbegehrens und der Gewinner des Volksentscheids. Heute ist Frankenberger Bundesvorsitzender der ödp. Frankenberger und der Moderator kennen sich gut, man duzt sich und ist vertraut. Schließlich ist es nicht der erste Auftritt auf der BR-Jugendbühne.

Um 16:15 Uhr setzt Betriebsamkeit ein. Die Plätze auf der Open Air-Bühne werden verteilt. Am Stehtisch steht Wasser für den Stargast. Noch ist nur wenig Publikum zu sehen. Eine Hip Hop Band heizt die Stimmung an. Und dann kommen plötzlich, fast aus dem Nichts, etwa 30 Kinder zwischen fünf und fünfzehn und schon ist die Kulisse gebildet. Wo kommen die nur her? Der Moderator scheint zufrieden, man übt nochmals das einklatschen und dann geht es los. Direkt nach der Begrüßung kommt ein dreiminütiger Trailer über Sebastian Frankenberger. Eine Homage. Und er selbst setzt das breiteste Lächeln auf und freut sich sichtlich über die ungeteilte Aufmerksamkeit. Sein Namensvetter, der 1,96 Meter-Mann Sebstian Winkler, begrüßt ihn überschwänglich und stellt gleich mal die richtigen Fragen. Frankenberger darf über sich selbst – das gefällt ihm besonders gut – und seine Rolle als vermeintlicher Märtyrer reden. Ihm gegenüber wird dann ein 28 jähriger Wirt einer Burghausener Bar platziert. Schließlich will man „Pro und Kontra“ spielen. Ein öffentlich rechtlicher Sender des Freistaats hat sich zur steten Objektivität verpflichtet. Während der Wirt nun über seine Probleme mit dem Rauchverbot und der Lärmbelästigung vor seinem Lokal redet, wirft der Moderator gekonnt Zusammenfassungen in Richtung Frankenberger, der seinerseits mit politischen Wiederholungen glänzt. Die Kinder scheinen nur wenig zu verstehen, aber man klatscht Beifall wie geheißen. Inmitten dieser Kinderschar sitzt, brav durch die Aufnahmeleitung dorthin platziert, der Vertreter der bayerischen Wirtshauskultur und somit Gegner des Rauchverbotes. Er wartet darauf, dass der Moderator das Stichwort „Untersuchung“ anbringt. Denn aktuell wurde eine Bayernweite, repräsentative Umfrage abgeschlossen, die durchaus Anlass zu Zweifel an der vielgepriesenen Akzeptanz in der Bevölkerung aufkommen lässt. Eine zweite Studie zur echten Situation der Kleingastronomie in Bayern soll ebenfalls Erwähnung finden. Nach dem nächsten „Frankenberger-Filmchen“, der seine Leidensrolle als Hauptfigur nochmals unterstreicht, gelingt dem Moderator tatsächlich die Überleitung. Mit den Worten „wir begrüßen auch einen Lobbyisten der Raucher“, der für den Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur einsteht, setzt er sich neben den Gesprächspartner. Die Frage lautet: „Was kam bei den Untersuchungen heraus?“ Der Gast begrüßt höflich und formuliert recht zügig die Antwort, schließlich hat man ihm nur zwei Minuten Redezeit eingeräumt. Doch bereits nach wenigen Sekunden springt der Moderator auf und eilt in Richtung Sebastian Frankenberger. Dort hat sich ein älterer Herr eingefunden. Bereits im Weggehen wird er jedoch vom Moderator des BR aufgehalten und befragt, was er denn wolle. Nun folgt eine mühsam einstudierte Klagerede. Seine Frau sein mit 47 Jahren, nein 57 Jahren, an Brustkrebs verstorben. Er hasse das rauchen und ist so froh, dass ….. Weiter kommt er nicht. Der Moderator komplettiert die Aussage, die sich der Herr wohl nicht richtig merken konnte, mit den Worten „Sie wollten also Sebastian Frankenberger loben?“ „Ja“ quoll es noch aus dem aufgeregten Opa – dann verschwand Winkler wieder zum Gast. Schließlich wolle man ja, dass der Herr Frankenberger den Worten des Rauchervertreters ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil werden lässt. Ansatzlos setzt der Informant seine Antwort fort. Er berichtet von 23 Prozent der bayerischen Bevölkerung, die sich durch das Rauchverbot stark oder sehr stark in ihren persönlichen Freiheitsrechten beeinträchtigt fühlen. In absoluten Zahlen sind das über 2,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger, also etwa eine Million mehr, als Nein-Wähler beim Volksentscheid. Zu einer weiteren Aussage kommt er nicht mehr. Der Moderator leitet bereits wieder zu Frankenberger und dem Burghausener Wirt. Der Wirt müht sich, kommt aber über die ihm zugedachte Statistenrolle nicht hinaus. Der Diskurs endet, Sebastian Frankenberger lacht und der Moderator geht zum nächsten Thema über. Einen extra aus München angereisten Wirt, der sein eigenes Schicksal vortragen sollte, hat er schlicht vergessen. Der ist nicht amüsiert. Mit Frankenberger verlassen sofort auch alle Kinder und Jugendlichen die Bühne. Auch der ältere Herr schließt sich dem Tross an. Gibt es jetzt Limonade?

Was Sie hier lesen ist tatsächlich so passiert und im Internet unter br-online.de anzusehen. Man findet die Sendung im Archiv unter on3-suedwild vom 5.7.2011. Ein sichtbares Dokument einer stringent durchgezogenen BR-Machenschaft. Sebastian Frankenberger spielt gerne mit den Medien und die Medien spielen gerne mit ihm. Öffentlich und rechtlich? Objektiv betrachtet ist der BR Bayerischer Rundfunk nicht objektiv. Er nimmt sich die Rolle des bayerischen Medien-Monopolisten, der er sicher nicht ist. Und nimmt sich Dinge heraus, die jedem Dozenten an der Journalistenschule die Haare zu Berge stehen ließen. Die Wächter über die Medien wird es aber kaum interessieren, denn der Kulturauftrag wird erfüllt. Fragt sich allerdings nur, für wen der Kulturauftrag in Bayern gedacht ist? Sicher nicht für alle und schon gar nicht für Menschen, die anderer Meinung sind.