2 Jul 2020

Wird in Folge des Coronavirus eine vorübergehende Reduzierung der üblichen Arbeitszeiten notwendig, können betroffene Betriebe bei ihrer zuständigen Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beantragen.


Allgemeine Voraussetzungen

Die erweiterte Kurzarbeitsregelungen enthalten folgende Erleichterungen:

  • Das Erfordernis, dass mindestens ein Drittel der Belegschaft vom Arbeitsausfall betroffen ist, wird auf eine Schwelle von 10 Prozent abgesenkt.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge werden bis 30. Juni 2021 vollständig von der Bundesagentur für Arbeit erstattet. Vom 1. Juli 2021 bis 31. Dezember 2021 werden die Sozialversicherungsbeiträge zu 50 Prozent erstattet, wenn mit der Kurzarbeit bis 30. Juni 2021 begonnen wurde.
  • Werden Zeiten des Arbeitsausfalls für berufliche Weiterbildung genutzt, können Sozialversicherungsbeiträge unter bestimmten Voraussetzungen erstattet werden ⇒ Infos zu Weiterbildung und Erstattung
  • Auf den Aufbau negativer Arbeitszeitsalden wird teilweise oder vollständig verzichtet.
  • Auch Leiharbeitnehmer können Kurzarbeitergeld beziehen.
  • Die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld wird für Betriebe, die mit der Kurzarbeit bis zum 31. Dezember 2020 begonnen haben, auf bis zu 24 Monate verlängert, längstens bis zum 31. Dezember 2021.

Alle Informationen zum Kurzarbeitergeld, ihre zuständige Arbeitsagentur sowie eine Online-Anzeige- bzw. eine Antrags­funktion finden Sie auf der Seite der ⇒ Bundesagentur für Arbeit.


Höhe Kurzarbeitergeld

Im Zuge der Corona-Krise soll das Kurzarbeitergeld für kinderlose Beschäftigte – je nach Bezugsdauer – von 60 auf bis zu 80 Prozent und für Beschäftigte mit Kindern von 67 auf bis zu 87 Prozent erhöht werden.

Nach der Neuregelung sollen in den ersten drei Monaten die bisherigen Kurzarbeitergeld-Sätze gelten. Ab dem 4. Monat würden 70 oder 77 Prozent, ab dem 7. Monat dann 80 oder 87 Prozent des Lohnausfalls gezahlt, längstens jedoch bis 31.12.2021. Das gilt für alle Beschäftigten, deren Anspruch auf Kurzarbeitergeld bis zum 31. März 2021 entstanden ist.


Hinzuverdienstgrenze

Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit wurde ab 1. Mai bis 31. Dezember 2020 die bereits bestehenden Hinzuverdienstmöglichkeiten mit einer Hinzuverdienstgrenze bis zur vollen Höhe des bisherigen Monatseinkommens für alle Berufe geöffnet. D.h. Beschäftigte in Kurzarbeit können einen Nebenverdienst bis zur Höhe ihres ursprünglichen Einkommens haben, ohne
dass dieser auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird. Bis 31. Dezember 2021 bleibt Entgelt aus einer während der Kurzarbeit aufgenommenen geringfügig entlohnten Beschäftigung komplett anrechnungsfrei.


Auszubildende

Nach einem Arbeitsausfall von 6 Wochen oder 30 Arbeitstagen kann für Auszubildende Kurzarbeitergeld beantragt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt bekommen sie die volle Ausbildungsvergütung.

In der Regel sind Auszubildende aber nicht von Kurzarbeit betroffen. Der Ausbildungsbetrieb muss versuchen, die Ausbildung weiter zu ermöglichen, indem er z.B. den Ausbildungsplan umstellt oder Auszubildende in einer anderen Abteilung unterbringt.

Wegen des Coronavirus haben viele Betriebe aber kaum eine andere Möglichkeit, insbesondere wenn der Betrieb geschlossen werden muss. In so einem Fall ist Kurzarbeit auch eine Option für Auszubildende.

Kurzarbeitergeld kann außerdem ohne weiteres auch für Auszubildende gezahlt werden, die nach Abschluss ihrer Berufsausbildung eine versicherungspflichtige (befristete oder unbefristete) Beschäftigung bei demselben oder einem anderen Arbeitgeber aufnehmen.

Wie beantrage ich Kurzarbeitergeld für Auszubildende?

Aufgrund der Corona-Krise braucht es KEINE schriftliche Bestätigung durch die IHK, wie normalerweise üblich. Das heißt, die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass ein Betrieb alle Maßnahmen ausgeschöpft hat, bevor er Kurzarbeitergeld beantragt hat.
  
Weiterhin erforderlich ist allerdings eine schriftliche Bestätigung bei Einreichung des Leistungsantrags bei der Bundesagentur für Arbeit, dass Sie für eine Fortführung der Ausbildung alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben.

Außerdem muss dem Antrag auf Kurzarbeit eine ⇒ Einverständniserklärung mit den Unterschriften Ihrer Auszubildenden angefügt sein. Wenn Sie ihre Auszubildende nicht erreichen können, vermerken Sie, dass Sie die Unterschrift unaufgefordert nachreichen.

Darf ein Betrieb einen neuen Auszubildenden für das aktuelle Schuljahr 2020/2021 einstellen, selbst wenn sich andere Mitarbeiter noch in Kurzarbeit befinden?

Ja, denn im Hinblick auf den Fachkräftemangel ist es laut Arbeitsagentur angezeigt auch in der aktuellen Situation die Ausbildungsaktivitäten nicht zu verringern

Ist die Übernahme eines Auszubildenden möglich, wenn sich Mitarbeiter noch in Kurzarbeit befinden?

Ja. Dieser Mitarbeiter kann dann sogleich in die Kurzarbeit mit einbezogen werden.


FAQ zum Thema Kurzarbeit

Umfangreiche Informationen zum Thema Kurzarbeit bietet ein ⇒ Fragen-und-Antworten-Katalog des Dehoga Bundesverbandes.