„Schicksale sind mehr als Inzidenzwerte“ – ein Bericht von Erol Görür, Hotel Ammergauer Hof, Oberammergau:
 
Im Oktober 2012 habe ich mir einen kleinen Wunsch erfüllt, nämlich die der Selbstständigkeit so nebenbei als „Kleingewerbe“, eine kleine Kneipe abends zu betreiben.
 
Schnell gings bergauf und bereits 15 Monate später vergrößerten meine Frau und ich unsere kleine Kneipe und wir zogen in eine größere Lokation mit einem Bistro um. Mit zuerst 1 Angestellten, dann erweiterten wir auf 3 + meine Frau und ich. Meinen Hauptjob gab ich damals dann auf und konzentrierte mich voll und ganz auf das Bistro. Auch das neue Bistro florierte sehr schnell und gut, wir arbeiteten uns rasch zu einem beliebten Unterhaltungsziel für Jung und Alt hoch.
 
Nach knappen 3 Jahren bekamen wir von unserem Vermieter mitgeteilt, dass er das Gebäude samt dem Bistro verkaufen möchte, im gleichen Zuge bekam ich ein Angebot das jetzige Hotel „Ammergauer Hofe“ mit der dazugehörigen Gastwirtschaft als Pächter zu beziehen. Also entschieden wir uns dazu, erneut umzuziehen.
 
Auch hier waren wir „Senkrechtstarter“ und das Geschäft lief ziemlich gut an, sowohl im Hotel, als auch die Gaststätte, wir machten uns auch hier sehr schnell zu einem bekannten und beliebten Ziel für Jung und Alt, Familien und Singles, Geschäftsleute und auch sehr viele Einheimische sowie aus der Umgebung, was uns natürlich sehr stärkte.
Inzwischen beschäftigten wir insgesamt 6 Festangestellte und 4 in Teilzeit und Nebenjobler.
 
Ja dann kam der Einbruch wegen der Pandemie, die auch uns „Neulinge“ in dieser Branche sehr hart traf.
Wir haben in dieses Objekt so ziemlich unser ganzes Geld investiert, spezielle Küche mit speziellen Gerichten angeboten und Gerätschaften angeschafft, Reparaturen und Erneuerungen blieben natürlich nicht aus und wir haben fleißig weitergearbeitet und investiert, in dem Glauben, es werden ja die Passionsspiele (welche alle 10 Jahre in Oberammergau stattfinden und von rund 500,000 Menschen innerhalb von 5 ½ Monaten gut besucht werden) von Mai bis Oktober 2020 stattfinden.
 
Auch diese Festspiele wurden wegen der Pandemie abgesagt, wie so alle anderen Veranstaltungen die in unserem Ort stattgefunden hätten – zusätzlich zu unseren eigenen Events mit Live-Musik in unserem großen Biergarten und der Terrasse.
 
Seit dem 02.November 2020 waren auch wir sehr optimistisch und sind die 2-3-wöchigen Verlängerungen des Lockdowns der Regierung mitgegangen, immer mit der Hoffnung: „da dürfen wir wieder öffnen und dann starten wir wieder … und wieder und wieder…!!!
 
Jetzt, nach inzwischen über 6 Monaten sind wir da angelangt wo auch viele andere nicht mehr wissen was uns tatsächlich erwartet, welche Öffnungsstrategien, Hygienekonzepte und Auflagen uns aufgezwungen werden.
Inzwischen haben wir unsere Küche wegen fehlendem Personal ganz geschlossen und haben uns dazu entschlossen, nur noch Übernachtung mit Frühstück und im kleineren Rahmen Essensangebote anzubieten.
Unser Servicepersonal mussten wir leider entlassen, da unser Ehepaar in der Küche die gekocht hatten, sich entschlossen haben vorerst die Gastronomie wegen der andauernden Kurzarbeit zu verlassen. Somit sind wir nur noch mit einer Ganztagskraft und einer Halbtagskraft aufgestellt.
 
Wie es so im Leben ist und aus lauter Überraschungen besteht, hat uns unser Verpächter anfang April dieses Jahres mitgeteilt, dass er das Hotel veräußert hat.
Im Moment wissen wir nicht was uns mit dem neuen Verpächter erwartet, welche Pläne er hat und was aus uns werden wird…. wir kennen unsere neuen Verpächter aktuell noch nicht mal!!
Es könnte also sein, dass wir gleich 2x eine Katastrophe erleben werden ……
 
Wir können nur allen Kollegen:innen alles Gute wünschen und hoffen, dass es so viele wie möglich nach der Pandemie wieder in eine „normale“ Gastronomie/Hotellerie schaffen.
Auch anderen Geschäftszweigen wie Einzelhandel usw wünschen wir viel Kraft und Ausdauer.
 
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